Aktuelles
20.05.2021 Region Mittelfranken, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen, Mitgliedsorganisationen

Offene Behindertenarbeit OBA und Familien unterstützender Dienst FuD sind auch in Krisenzeiten für ihre Besucher*innen da!

Ein Praxisbericht aus dem ersten „Corona-Jahr“ im Verein Integral e.V. Nürnberg

Gerade und besonders in Krisenzeiten ist es sehr wichtig und ebenso schwierig, an alle zu denken, keinen zu vergessen, alle mitzunehmen, niemanden abzuhängen. Bei Integral sind das in erster Linie die Menschen mit seelischen, psychischen, körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, die dem Verein und seinen Angeboten seit zum Teil vielen Jahren treu und verbunden sind. Aber eben nicht nur! Von großer Bedeutung sind auch die Sponsor*innen und die Ehrenamtlichen, denn ohne Geldmittel und motivierte Helfer*innen können keine zusätzlichen Projekte, besondere Angebote oder einzelne gezielte Aktionen verwirklicht werden. Und davon hat sich das Team von Integral e.V. Nürnberg so einige einfallen lassen.

Es erfolgt eine regelmäßige Kontaktaufnahme per Telefon mit den Besucher*innen, die in Zeiten vor Corona regelmäßig an den Angeboten wie dem „OBA-Club“ oder den Freizeitfahrten teilnahmen. Auch werden handgeschriebene Postkarten mit persönlichen Grüßen und aufmunternden Worten per Post verschickt, um den Kontakt zu halten und zu signalisieren „Keine/r wird vergessen!“.

Hilfreich für die Betroffenen sind auch die Freizeitanregungen, die sich das Team von Integral e.V. einfallen ließ: Rätsel, Mandalas und Bilder zum Ausmalen werden per Post versandt, Bastelanleitungen, Sportanleitungen, Kochanleitungen, Geschichten zum Vorlesen stehen auf der vereinseigenen Homepage zur Verfügung. Dazu muss man wissen, dass sich die Gruppe der Adressat*innen zwischen Jugendlichen und Menschen 65 + bewegt!

Um speziell bei den Betreuten mit psychischen Problemen der coronabedingten Vereinsamung entgegenzuwirken, werden Spaziergänge 1:1 durchgeführt oder komplette Bastelutensilien mit Anleitungen per Post verschickt.

Essensspenden werden besorgt, in große Tüten verpackt, einmal pro Woche ausgegeben oder bei Bedarf auch direkt an die Haustür gebracht - so kann bei der in Einzelfällen entstandenen finanziellen Notlage ausgeholfen werden.

Vor Corona wurden die Sponsor*innen einmal im Jahr vom Integral Team bekocht. Da das nun schon länger nicht mehr möglich war, gab es 2020 ein Dankeschön-Video, in dem die Dankesbotschaft auf alle Teammitglieder aufgeteilt und aufgezeichnet wurde und so jede*r das Wort zumindest virtuell an die Unterstützer*innen richten konnte.

Der Sommer 2020 mit seinen etwas „besseren“ Infektionszahlen ermöglichte es, dass zumindest für kurze Zeit wöchentliche Ausflüge in Kleinstgruppen - immer an der frischen Luft – stattfinden konnten. Ebenso war es in dieser Zeit möglich, ein „Kaffeekränzchen“ für Menschen zu organisieren, die besonders schwer belastet waren und einer starken Isolation ausgesetzt waren. Das bedeutet, dass in Kleinstgruppen unter strengsten Hygienemaßnamen, Abständen usw. und nur mit Voranmeldung in den Räumen der OBA gemeinsam Kaffee getrunken und geplaudert werden konnte.

Auch der Familien unterstützende Dienst FuD war sehr kreativ und einfallsreich: Es gab als Dankeschön für die Ehrenamtlichen einen Brief mit unterschiedlichen Blumensamen als Symbol für die Hoffnung, dass „wir in 2021 wieder mehr aufblühen können“. Die Assistenzkräfte wurden mit Handschuhen, OP-Masken, Desinfektionsmitteln und FFP2-Masken sowie regelmäßigen Informationen versorgt. Das gesamte Schulungsangebot für die ehrenamtlichen Helfer*innen wurde auf Online umgestellt.

Und dann ging die Corona Pandemie ungemindert hart weiter und 2021 in ihr zweites Jahr. Die Anstrengungen für die regelmäßigen Besucher*innen gehen ebenso ungemindert weiter.

Bewährte Aktionen werden fortgeführt, neue Ideen entstehen. So wird eine Malaktion mit abschileßender „Fenster-Vernissage“ initiiert. Die Besucherinnen und Besucher sollen zum Thema „Frühling“ Bilder selbst gestalten und einsenden. Daraus entsteht eine sogenannte „Fenster- Vernissage“. Dafür werden alle Bilder zusammengestellt und an die Fenster der Einrichtung geklebt. Es werden kleine Schilder angebracht, um die Vernissage den Menschen zu erklären, die außen an den Fenstern vorbeilaufen. Fotos der Aktion werden dann auf der Homepage veröffentlicht.

Auch schon fest eingeplant ist ein Interview-Projekt. Es werden FuD-Familien zu der Fragestellung „Wie wichtig war Ihnen der FuD in der Coronazeit?“ interviewt. Die aufbereiteten Ergebnisse sollen dann als Artikel auf der Homepage erscheinen. Die These der Initiator*innen ist: „Die Familien waren froh, dass wenigstens der FuD in der Coronazeit nicht weggebrochen ist und für Stabilität in der schwierigen Zeit gesorgt hat“. Die These basiert auf den Rückmeldungen der Familien aus den vergangenen Monaten. Das Interview soll als öffentliches „Dankeschön“ an die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dienen, die in dieser so ungewissen und belastenden Zeit das Ehrenamt nicht aufgegeben haben.

Wenn man diesen Bericht liest und daran denkt, dass zusätzlich zu diesen Leistungen auch noch die Umstellung auf Homeoffice, Videokonferenzen und digitale Kommunikation bewältigt werden musste, ist dies sicher ein gutes Bespiel dafür, was in der Sozialen Arbeit von allen Vereinen, Einrichtungen und Diensten an Fürsorge und Unterstützung stattfindet – auch einen Applaus wert!

Text: Hanne Zeiner (Integral e.V.) und Petra Gemeinholzer (Der Paritätische in Mittelfanken)

Region Mittelfranken, Menschen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen, Mitgliedsorganisationen

Verantwortlich:
Petra Gemeinholzer, BV Mittelfranken, Sachbearbeitung Zuschuss Landesmittel, Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederbetreuung