Fachinformation
17.06.2020 Fachbereich Migration, Arbeit und Beschäftigung, Corona, Migration und Flucht

Arbeitsmarktförderung für Geflüchtete

Zwischenergebnisse zur Evaluierung arbeitsmarktpolitischer Instrumente zeigen großen Handlungsbedarf

Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) beauftragte Begleitevaluation hat das Ziel zu bewerten, wie die arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen des SGB II und SGB III für Geflüchtete wirken, die ab dem Jahr 2015 nach Deutschland gekommen sind. Welche arbeitsmarktpolitischen Interventionen für geflüchtete Frauen sinnvoll sind, soll besonders beleuchtet werden. Jetzt liegt der Zwischenbericht mit ersten Ergebnissen vor.

Es wurden Maßnahmen mit einem Zugang im Zeitraum vom 1. August 2017 bis 11. September 2018 untersucht. Ausgewählte Erkenntnisse des umfassenden Forschungsberichts:

  • Längere Wartezeit bis zur ersten Förderung: Dass mehr als ein Drittel der Kursteilnehmer*innen und -teilnehmer*innen erst nach über einem Jahr Aufenthalt in Deutschland mit einem Sprachkurs beginnt, verdeutlicht, dass Maßnahmen zur Förderung der Integration von Geflüchteten zum Teil erst einige Zeit nach der Einreise ansetzen, so die Forscher.
  • Defizite beim Schulbesuch -und Schulerfolg: Rund ein Drittel der befragten Geflüchteten, die bei ihrer Ankunft das 18. Lebensjahr noch nicht beendet hatten, hat in Deutschland keine Schule besucht. Damit ist die Einhaltung der Schulpflicht nicht vollständig erfolgt. Mit rund einem Drittel hat jedoch auch ein großer Anteil der befragten Geflüchteten, die in Deutschland die Schule besucht haben, diese ohne Abschluss verlassen. Insgesamt deutet sich somit eine schlechtere Schulbildung der befragten Geflüchteten als der deutschen Bevölkerung insgesamt an.
  • Am häufigsten in Aktivierungsmaßnahmen: In ¾ der Fälle wurde die Zielgruppe mit Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung gefördert. Offenbar wurden die Personen nach Kontakt mit der BA zunächst standardmäßig in die Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung geschickt, um später für einen deutlich kleineren Teil der Zielgruppe spezifischere Maßnahmen zur Verbesserung der Chancen auf Integration in Beschäftigung anschließen. Aus der Perspektive der Teilnehmer/innen wird Nutzen der spezifischen Maßnahmen für Geflüchtete nach § 45 SGB III in den Dimensionen gesellschaftliche Integration, Spracherwerb und Arbeitsmarktintegration heterogen bewertet.
  • Regionale Ausprägungen bei der Förderung erkennbar: Geflüchtete werden in größeren Städten mit hoher Arbeitslosigkeit deutlich seltener mit Maßnahmen zur Berufswahl und Berufsausbildung gefördert als in kleinen Städten bzw. ländlichen Kreisen mit Verdichtungsansätzen. Dies spricht dafür, dass die Chancen auf einen Zugang in Maßnahmen zur Berufswahl und Berufsausbildung systematisch mit dem regionalen Angebot an Ausbildungsplätzen verbunden sind.
  • Probleme beim Ausbildungserfolg: Von den befragten Personen, die eine Berufsausbildung beendet haben, hat ein Großteil die Ausbildung ohne Abschluss abgebrochen (70 Prozent), und nur knapp jede dritte Person hat einen Abschluss erhalten (30 Prozent). Die Abbruchquote liegt damit deutlich höher als die durchschnittliche Vertragslösungsquote in Deutschland, welche im Jahr 2017 bei etwa 25 Prozent lag (BIBB 2019). Als häufigster Grund für einen fehlenden Abschluss wurden unzureichende Deutschkenntnisse genannt.
  • Bessere Unterstützung vor einer Ausbildung möglich: Potenziale für eine Ausweitung der berufsorientierenden Maßnahmen scheinen vorhanden, denn ein relativ großer Teil der befragten Geflüchteten, die eine berufliche Ausbildung begonnen haben, hat zuvor keine Hilfe bei der Berufsorientierung erhalten. Zudem gibt es deutliche Hinweise für einen positiven Einfluss von Maßnahmen zur Berufsorientierung – insbesondere, wenn diese wiederholt und kontinuierlich erfolgen.
  • Besondere Nachteile und Schwierigkeiten bei der Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen: Frauen sind seltener als arbeits- oder ratsuchende Personen überhaupt in den Systemen der BA erfasst, was auf eine besondere Arbeitsmarktferne geflüchteter Frauen hindeuten kann. Außerdem erreichen sie die BA-Systeme nach Ankunft in Deutschland tendenziell etwas später als Männer; dies kann ein Indiz dafür sein, dass sie mit besonderen Zugangshürden konfrontiert sind. Zusätzlich sind geflüchtete Frauen beim Zugang in die zu evaluierenden arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen deutlich unterrepräsentiert. Sie haben im Vergleich zu geflüchteten Männern systematisch schlechtere Chancen hatten, in Maßnahmen zu kommen; nur in Beschäftigung schaffenden Maßnahmen wie den Arbeitsgelegenheiten sind sie anteilsmäßig überrepräsentiert. Auffallend sind auch Unterschiede im Alltagsleben. Unter den befragten Geflüchteten nehmen männliche Personen deutlich häufiger am gesellschaftlichen Leben und Aktivitäten in Organisationen und Vereinen teil, als Frauen.

Der Endbericht soll Ende 2020 vorliegen. Auf der untenstehenden Webseite kann der Zwischenbericht auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) heruntergeladen werden.

Fachbereich Migration, Arbeit und Beschäftigung, Corona, Migration und Flucht
Quelle: Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband e.V.

Verantwortlich:
Andreas Selig, Referent Migration

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